Teststrecke für automatisierte und vernetzte Autos in Düsseldorf eröffnet

Mit dem Projekt Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf (KoMoD) startet Düsseldorf in den Straßenverkehr der Zukunft. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst und Oberbürgermeister Thomas Geisel haben am Montag, 24. September, eine Teststrecke für automatisierte und vernetzte Autos eröffnet.

Gemeinsam haben der nordrhein-westfälische Verkehrsminister, Hendrik Wüst, Oberbürgermeister Thomas Geisel und Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke am Montag, 24. September, auf dem Rheinbahn Betriebshof in Heerdt eine Teststrecke für automatisierte und vernetzte Autos in Düsseldorf offiziell eröffnet. Die rund 20 Kilometer lange Teststrecke ist in ihrer Form einzigartig in Deutschland. Erstmals kann mit dem Projekt „Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf – KoMoD“ der automatisierte und vernetzte Straßenverkehr live auf Autobahnen und gleichzeitig im innerstädtischen Betrieb getestet werden. Auf Streckenabschnitten der Autobahnen A57 und A52, am Heerdter Dreieck, im Rheinalleetunnel, auf der Rheinkniebrücke, im Stadtteil Friedrichstadt und am Vodafone-Parkhaus können so zahlreiche Szenarien erprobt werden, in denen Autos mit der jeweiligen Verkehrsinfrastruktur kommunizieren.

„NRW muss bei Innovationen ganz vorne mit dabei sein. Neue Technologien sollen in  Nordrhein-Westfalen entwickelt, getestet und am besten auch produziert werden. KoMoD in Düsseldorf zeigt, wo es in der Verkehrspolitik hingeht: in die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. „Automatisiertes und auf lange Sicht autonomes Fahren machen den Verkehr sicherer und effizienter. Das Testfeld ist ein wichtiger Baustein zur Erprobung neuer Mobilitätskonzepte.“

Oberbürgermeister Thomas Geisel betonte: „Mit dem Projekt KoMoD wird in Düsseldorf an der Mobilität der Zukunft gearbeitet. Das automatisierte Lenken, Abbremsen und Beschleunigen des Fahrzeugs bedeutet nicht nur mehr Komfort für den Fahrer. Es kann auch entscheidende Impulse liefern, den Verkehrsfluss und damit die Verkehrssituation in den Städten zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Damit passt die Teststrecke bestens zu unserer ‚Smart Mobility Initiative‘. Die Landeshauptstadt Düsseldorf bietet für diese Tests mit ihrer Infrastruktur und mit ihrer modernen Verkehrs- und Tunnelleitzentrale, hervorragende Bedingungen.“

„Dieses Experimentierfeld trifft auf eine lange Tradition moderner und innovativer Verkehrsleittechnik! Düsseldorf ist hier seit mehr als 20 Jahren innovativ und vernetzt unterwegs“, erklärte Beigeordnete Cornelia Zuschke.

Showcases im Testfeld
Acht Testfahrzeuge, darunter ein Linienbus der Rheinbahn, sowie sieben Fahrräder mit „Grüner-Welle-App“ wurden präsentiert. Bei Fahrten im Testfeld wurden die unterschiedlichen Testsituationen, sogenannte Showcases gezeigt. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, sich an Infoständen über die einzelnen Showcases detailliert zu informieren.

Showcase 1 „Routing“: Strategiekonformes Routing /Parkhausinformationen

  • Vernetzung der kollektiven und der fahrzeugseitigen Wegweisung
  • Verarbeitung der zwischen Land und Stadt abgestimmten Strategien im Routing Client des Fahrzeugs
  • Dynamische Routenführung zu Parkhäusern in Verbindung mit den kollektiven Parkleitsystemen

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Befolgen der wegweisenden Empfehlungen
  • Fahrstreifenwahl an Entscheidungspunkten
  • Vorausschauende Planung der Fahrmanöver (Einfädelungs- und Spurwechselvorgänge)
  • Routenführung im Fahrzeug abgestimmt mit der dynamischen Beschilderung vermeidet Irritationen des Fahrers
  • Auswahl und Folgen der Route zu einem Parkhaus mit Kapazitätsreserven

Showcase 2 „Tunnel“:  Tunnelsperrung und -steuerung

  • Bereitstellung detaillierter Verkehrs- und Ereignisinformationen im Tunnel auf Basis kollektiv infrastrukturseitig erfasster und individuell fahrzeugseitig erfasster Daten
  • Verbreitung von Warnmeldungen (etwa Tunnelsperrung, Fahrstreifensperrung) an entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Zulässige Höchstgeschwindigkeiten einhalten
  • Reaktion auf Gefahrensituation im Tunnel (ggf. Übergabe der Fahraufgabe)
  • Reaktion auf Tunnelsperrung (Halt vor Lichtsignal und optimierte Fahrstrategie im Zulauf)
  • Fahrstreifenwechsel bei eingeschränkter Befahrbarkeit des Tunnels
  • Folgen der wegweisenden Empfehlungen im Fall von Tunnelsperrungen

Showcase 3 „Kooperative LSA“: Zustand und Prognose Lichtsignalanlage (LSA)

  • Austausch von Kreuzungstopologieinformationen (Anzahl Fahrstreifen, Position Haltlinie, Signalgruppen)
  • Sekündliches Senden von Zustands- und Prognose-Nachrichten (beinhaltet für alle Signalgruppen den Ist-LSA-Status sowie die zeitliche Prognose)

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Reduktion von Fahrzeugemissionen
  • Vermeidung von Halte-, Brems- und Beschleunigungsvorgängen
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit
  • Prognoseinformationen werden in Fahrstrategie umgesetzt (automatisierte Zufahrt/Durchfahrt)
  • Erprobung verschiedener Schaltzeitprognoseverfahren

Showcase 4 „Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)“: ÖPNV-Priorisierung

  • Automatische und kontinuierliche Kommunikation zwischen Road-Side-Unit und Onboard-Unit
  • Senden von fahrzeugseitig generierten Nachrichten mit Informationen zur aktuellen Position, Fahrtrichtung, Geschwindigkeit sowie der Kennung mit Linie und Kurs
  • Vorrangschaltung für ÖPNV-Fahrzeug mittels Phasenwechsel, Grünzeitverlängerung

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Integration des ÖPNV in die C2X-Technologie
  • Optimierung der ÖPNV-Priorisierung durch Einsatz neuer Technologien
  • Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV

Showcase 5 „Verkehrsdatenerfassung“: Fahrzeugbasierte Verkehrsdatenerfassung

  • Heterogene Fahrzeugflotte, ausgestattet mit Unfallpräventionssystemen zur kamera- und fahrzeugbasierten Verkehrsdatenerfassung im Mischverkehr
  • Georeferenzierung von Verkehrssituationen
  • Detektion von ausgewählten Ereignissen und Use-Case-spezifische  Verkehrsdatenbereitstellung
  • Gefahrenwarnung und Unfallprävention für den Fahrer
  • Abbiegeassistent für Busse

 Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Identifikation kritischer Verkehrssituationen
  • Kommunikation von Gefahrenwarnungen
  • Reduzierung des Unfallrisikos und Erhöhung der Verkehrssicherheit

 Showcase 6 „Smart Cycling“: Grüne–Welle-Assistent für Radfahrer

  • Zeigt die richtige Geschwindigkeit, um in der Grünen Welle zu bleiben
  • Visualisiert, wann die LSA wieder Grün wird
  • Bietet Modi für Rad und Kraftfahrzeug
  • Geschwindigkeitsempfehlung auch über Sprachausgabe

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Verhindert unnötige Stopps vor der LSA
  • Vermeidet starke Brems- oder Beschleunigungsmanöver
  • Ermöglicht entspanntes und gleichmäßigeres Radfahren
  • Verringert den Kraftstoffverbrauch und damit die Emissionen von Fahrzeugen

Sieben Fahrräder mit „Grüne-Welle-App“ werden bei Vodafone auf der Willstädter Straße präsentiert.

Showcase 7 „eCall+“: Unfall-Alarm/Rettungsgassen-Assistent

  • Unfall-voraus-Alarm: Kommt es zum Unfall, erhalten umliegende Fahrzeuge per Mobilfunk eine Warnmeldung (eCall+); Generierung einer kollektiven Verkehrsmeldung durch das städtische Verkehrsmanagement
  • Digitaler Rettungsgassen-Assistent: Einsatzfahrzeuge lösen auf dem Weg zum Einsatzort einen Alarm aus, der Verkehrsteilnehmer anleitet, die Rettungsgasse richtig zu bilden

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Empfang einer Warnmeldung und Wahl der Fahrstrategie (Geschwindigkeit, Abstand)
  • Fahrstreifenwechsel bei eingeschränkter Befahrbarkeit des Streckenabschnitts
  • Folgen der wegweisenden Empfehlungen (strategische Routen) im Fall von Sperrungen
  • Aussenden und Empfangen des „digitalen Rettungsgassen-Assistenten“, der anleitet, die Rettungsgasse richtig zu bilden

Showcase 8 „Smart Parking“: Stellplatzgenaue Zielführung

  • Automatische Erkennung freier Parkplätze mit smarten Parksensoren
  • Zuweisung eines freien Stellplatzes und der zugehörigen Route zum Stellplatz durch Parkhausserver
  • Fahrerlose Navigation durch das Parkhaus bis zum freien Stellplatz
  • Fahrerloses Einparken

Beitrag zum vernetzten und automatisierten Fahren:

  • Bereitstellung von Echtzeit-Informationen über belegte und freie Parkplätze
  • Umsetzung des automatisierten Parkservices

Hintergrund: Das Projekt KoMoD
Das Projekt „KoMoD – Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf“ ist Teil des Förderprogramms „Automatisierung und Vernetzung im Straßenverkehr“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Das Gesamtprojektvolumen beläuft sich auf 14,8 Millionen Euro, bei einem Fördervolumen von 9 Millionen Euro.

Unter Federführung der Landeshauptstadt Düsseldorf arbeiten das Land (vertreten durch Straßen.NRW), diverse Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen im Projekt „KoMoD“ gemeinsam am Straßenverkehr der Zukunft.

Im Juni wurde der interne Testbetrieb aufgenommen. Die Fahrzeuge fahren auf Basis des Informationsaustauschs teilautomatisiert auf der Teststrecke. Dabei werden die Fahrer durch die Informationen der Verkehrsinfrastruktur unterstützt.

Bei der Fahrt im Testfeld erhalten die Versuchsfahrzeuge jene Informationen, die den übrigen Verkehrsteilnehmern über die verkehrstechnischen Anlagen an der Strecke angezeigt werden, digital für eine fahrzeugseitige Verarbeitung. Alternativroutenempfehlungen und Informationen zu freien Parkplätzen setzt das Navigationssystem um. Zulässige Höchstgeschwindigkeiten und Warnhinweise (etwa zu Baustellen und Sperrungen) der Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf der A57 und im Rheinalleetunnel wie auch die innerstädtischen Ampelprognosen werden zur Längssteuerung (Bremsen und Beschleunigen) der Fahrzeuge verwendet. Die Fahrzeuge dienen zudem als mobile Sensoren, die Gefahrensituationen, Unfälle und Störungen im Testfeld erkennen, um diese an die Fahrer und die Infrastruktur zu kommunizieren.

Auch der ÖPNV, die Rheinbahn, ist eingebunden: An den städtischen Ampeln werden neue Beschleunigungsverfahren getestet. Auf dem Programm steht zudem die Weiterentwicklung der fahrzeugbasierten Verkehrserfassung, wie Fußgängererkennung oder Abstandswarnung. Im Vodafone-Parkhaus wird einem Testfahrzeug in Abhängigkeit von der aktuellen Belegungssituation ein Parkplatz zugewiesen, das Fahrzeug fährt daraufhin selbständig zu diesem Parkplatz und parkt vollautomatisiert ein und auch wieder aus.

2019 soll die Teststrecke mit der Kommunikationsinfrastruktur auch für Dritte geöffnet werden. Aktuelle Informationen zu den neuesten Aktivitäten auf dem Testfeld sind im Internet unter www.komod-testfeld.org verfügbar.

Ein Video zu diesem Thema finden Sie im Laufe des Tages auf YouTube unter:

www.youtube.com/stadtduesseldorf

Quelle & weitere Informationen unter: www.duesseldorf.de